01.04.2013

Wie man Beamtendeutsch verständlich macht

Kennst du das: Du musst einen wichtigen Text schreiben - für die Behörde, an deinem Arbeitsplatz, für einen Antrag. Und du möchtest, dass der Text ernst genommen wird, professionell wirkt und beeindruckt. Da geschieht es: Du schreibst gestelzt, umständlich und langweilig - mit unzähligen Substantiven, komplizierten Formulierungen und einer Menge Fremdwörter. Der Text ist zwar anstrengend zu lesen, aber du findest, dass er so Eindruck macht.



Kennst du das: Du kriegst ein wichtiges Schreiben. Es ist langweilig zu lesen, trocken, und du würdest es am liebsten in den Papierkorb werfen, aber weil es wichtig ist, musst du es lesen - und verstehst es vielleicht nur halbwegs.

Ach, dieses liebe Beamtendeutsch: Wir begegnen ihm in wichtigen Schreiben von amtlichen Stellen, in wissenschaftlichen Büchern, in politischen Abhandlungen, in Briefen von der Schule, vom Arbeitgeber, in Richtlinien, Leitfäden und Anweisungen - und wie gesagt schreiben wir so, wenn wir es "ernst meinen". Im Deutschen ist der Unterschied zwischen der alltäglichen und der "amtlichen" Sprache riesig. Und obwohl niemand gern solche Texte liest, benützen alle dieses staubtrockene Deutsch und plagen dabei sich und die anderen.

Der folgende Satz stammt aus dem Prospekt einer sozialpädagogischen Institution. Er erklärt, welche Ziele sie mit den Jugendlichen verfolgt:
Das Erwerben von Basiskompetenzen im Bereich Arbeit.
Von sieben Wörtern sind vier Substantive: Das hört sich wichtig an. Und ungelenk. 
Man könnte es auch einfacher schreiben. Hier ein paar hilfreiche Regeln:
nnn
-> Mache aus Substantiven Verben -  das macht die Sprache dynamischer.
Basiskompetenzen im Bereich Arbeit erwerben.
-> Von zwei ähnlichen Ausdrücken nimm den einfacheren.

Basiskompetenzen ist ein Unwort, vermutlich ist es eine ungelenke Übersetzung des englischen basic competence. Der Duden kennt das Wort nicht, googelt man es, findet man kaum eine Definition des Wortes. Da man immer nur etwas lernen kann, indem man ganz am Anfang (an der Basis) beginnt, reicht es, wenn wir schreiben:
Kompetenzen im Bereich Arbeit erwerben.
-> Wenn es ein deutsches Wort gibt, gebrauche dieses - denn es wird besser verstanden:
Fähigkeiten im Bereich Arbeit erwerben.
-> lasse Ausdrücke weg, die nichts zum Verständnis beitragen:
Ob Bereich Arbeit oder Arbeit - das ist doch das Gleiche:
Fähigkeiten in der Arbeit erwerben.
-> Wie könntest du es noch treffender und dynamischer sagen?
Fähigkeiten erwerben ist das Gleiche wie lernen. In der Arbeit bedeutet: dort, wo man arbeitet.
Das Ziel, das die sozialpädagogische Institution anstrebt, ist einfach: Sie wollen, dass Jugendliche
lernen zu arbeiten.
Von sieben Wörtern (davon vier Substantive) sind drei zurückgeblieben, zwei davon nun Verben. Der Ausgangstext wirkt vermutlich "gelehrter" als mein Vorschlag, doch lernen zu arbeiten sagt präzise, knapp und klar, worum es geht.
Wir wissen alle, wie schwierig es ist, arbeiten zu lernen. Ich jedenfalls habe Respekt vor einer solchen Aufgabe, auch wenn sie ohne wichtigtuerische Substantive daherkommt.

Hier die Veränderungen auf einen Blick:

Das Erwerben von Basiskompetenzen im Bereich Arbeit.
nnn
Basiskompetenzen im Bereich Arbeit erwerben.
nnn
Kompetenzen im Bereich Arbeit erwerben.
nnn
Fähigkeiten im Bereich Arbeit erwerben.
nnn
Fähigkeiten in der Arbeit erwerben.
nnn
Lernen zu arbeiten.

Kommentare:

Lothar Müller-Güldemeister hat gesagt…

Das "zu" kann auch noch weg: "Arbeiten lernen".

Daniela Schenk hat gesagt…

Stimmt - das ist noch besser!!

Daniela Schenk hat gesagt…

Nein, viel besser!!

(Hmm, dass ich nicht selber draufgekommen bin ...!)